Professionell fotografieren

Wer mit dem Gedanken spielt, sein bisheriges Hobby qualitativ auszubauen und zu einer möglichen semiprofessionellen Beschäftigung mit dem visuellen Medium gelangen will, sollte sich für die Vorbereitung seiner nächsten Schritte als talentierter Amateur ein wenig Zeit nehmen:

Strukturelle Fragen: Spezialisierung

Einen der einschneidendsten Unterschiede zwischen Alben von Amateuren einerseits und professionellen Fotografen andererseits ist die Fähigkeit zur Spezialisierung auf ein bestimmtes Thema, Gebiet beziehungsweise eine besondere Motivgruppe. Zunächst gilt es, für sich grundlegende Fragen zu beantworten: was genau interessiert mich an der Fotografie, welche Fotos faszinieren mich selbst – in welcher Richtung will ich mich spezialisieren? Zieht es mich eher zur perfekten, dekorativen Aufnahme eines Blumenstraußes oder Umhängetaschen zum eindrucksvollen Portraitfoto oder lasse ich mich von journalistischen Themen begeistern?

Die Entscheidung für das jeweilige Themengebiet ist grundlegend, weil sie Folgeentscheidungen mit sich bringen, die erst nach der Setzung eines groben Rahmens möglich sind: so hängen zu schulende Fähigkeiten wie auch das Equipment direkt von dieser Entscheidung ab. Interieur- und Designfotografie verlangt gute Studioerfahrungen und eine professionelle Blitzlichtanlage. Tierfotografie verlangt neben Reise- und Wanderbegeisterung viel Geduld und fordert statt Lichtequipment eine ausreichende Auswahl an Tele- und Macroobjektiven. Portraitfotografie hängt bereits bei der Motivsuche sehr stark von den sozialen und Kommunikations-Fähigkeiten des Fotografen ab, spätestens, wenn es gilt, Kontakt zu scheueren Persönlichkeiten anzuknüpfen, die es für die Aufnahme erst zu überzeugen gilt. Journalistische Fotografie wiederum verlangt vor allem organisatorische Fähigkeiten bei der Terminplanung, eine hohe Mobilität und die Bereitschaft, auch in brisanten Momenten das Auge der Öffentlichkeit auf das Geschehen lenken zu wollen. 

Technisches: Equipment

Auch wenn ansehnliche fotografische Ergebnisse mit Handykameras ausgeschlossen werden können: mitnichten macht die teuerste Ausstattung den Amateur bereits zu einem potenziell professionell fotografierenden Könner. Auch wenn der zuweilen in reine Statussymbolik abdriftende Hang von Fotografen zu Markenausstattungen berüchtigt ist: umsichtige Auswahl, die sich an den Bedürfnissen des gewählten Themengebiets orientiert und stärker auf technische Details denn Markenbezeichnungen setzt, ist hier eher gefragt.

Hier gilt es vor allem, technische Details der gesuchten Produkte zu kennen und miteinander sorgfältig zu vergleichen: so muss der Bildjournalist, der Fotografie in Zeitungsqualität liefern will, weniger auf eine überproportionierte Posterformat-Pixelmenge achten als auf die Frage, wie er seine Ergebnisse möglichst zeitnah an die Redaktion oder Agentur liefern kann – Zusatzausstattung wie möglichst mobiler Internetzugang und eine ausreichende Bandbreite werden hier schnell wichtiger als das Kameramodell selbst. Im Gegensatz dazu sind gerade bei der Stockfotografie mit Motiven, die sich für Werbebroschüren eignen sollen, maximale Bildqualität – also optimale Schärfe, Belichtung, Farbechtheit und damit die sichere Beherrschung des an die Bedürfnisse angepassten Equipments - vorrangig.